Aktuelle geopolitische Entwicklungen wirken unmittelbar auf Wirtschaft und unternehmerische Entscheidungen. Davon sind auch die Unternehmen im Bergischen Land betroffen.
Aktuelle geopolitische Entwicklungen wirken unmittelbar auf Wirtschaft und unternehmerische Entscheidungen – auch im Bergischen Land. Außen- und sicherheitspolitische Faktoren gewinnen dabei zunehmend an Bedeutung für Stabilität, Planung und Wachstum.
Sicherheits- und Wirtschaftspolitik im Spannungsfeld globaler Krisen
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Austausch mit Dr. Marie‑Agnes Strack‑Zimmermann, Mitglied des Europäischen Parlaments und Vorsitzende des Verteidigungsausschusses. In ihrem Impuls machte sie deutlich, wie eng Sicherheits- und Wirtschaftspolitik inzwischen miteinander verknüpft sind – insbesondere vor dem Hintergrund des anhaltenden Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine, der angespannten Lage im Nahen Osten sowie der veränderten Rolle der USA auf der weltpolitischen Bühne.
„Eine funktionierende Wirtschaft ist die Basis für unsere Sicherheit – innen wie außen.“
Diese Entwicklungen führen unter anderem zu volatilen Energiepreisen, unterbrochenen Lieferketten und steigenden Kosten. Zugleich betonte Strack-Zimmermann die grundlegende Bedeutung wirtschaftlicher Stärke für die Sicherheit: Eine funktionierende Wirtschaft sei die Basis für Stabilität.
Zwischen Unsicherheit und Chance: Die Perspektive der Wirtschaft
In der anschließenden Diskussion standen konkrete Fragen aus der Unternehmenspraxis der Bergischen Region im Fokus:
- Welche Auswirkungen haben geopolitische Spannungen auf Lieferketten und Produktionsprozesse?
- Welche Rolle spielen verteidigungspolitische Investitionspakete für Innovation, Wertschöpfung und Beschäftigung?
- Wie können Unternehmen ihre Resilienz gegenüber politischen und wirtschaftlichen Risiken stärken?
Unternehmen passen ihre Strategien an geopolitische Veränderungen an und sehen Resilienz zunehmend als strategischen Wettbewerbsfaktor. Zugleich entstehen neue wirtschaftliche Potenziale, insbesondere für technologie- und industrienahe Branchen entlang verteidigungsnaher Wertschöpfungsketten sowie im Bereich von Dual-Use-Technologien.
In diesem Zusammenhang verwies Strack-Zimmermann auf das Ziel, mit dem European Defence Industry Programme (EDIP) langfristig unabhängiger zu werden: Europa müsse seine militärischen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten reduzieren – auch mit Blick auf eine stärkere europäische Beschaffung („Buy European“ bis 2033).
Viele Innovationen – etwa in Sensorik, Cybersicherheit, Drohnen- oder Kommunikationstechnologie – haben sowohl zivile als auch sicherheitsrelevante Anwendungen. Für Unternehmen im Bergischen Land können sich daraus neue Märkte, Kooperationen und Möglichkeiten für Ausgründungen ergeben, auch wenn regulatorische Anforderungen und Beschaffungsstrukturen weiterhin eine Herausforderung darstellen.
Dialog auf Augenhöhe: Beteiligung aus der Region
In der interaktiven Fragerunde brachten zahlreiche Teilnehmende ihre Perspektiven, Sorgen und Erwartungen ein. Der direkte Austausch zeigte den Bedarf an Orientierung und kontinuierlichem Dialog zwischen Wirtschaft und Politik.
Besonders deutlich wurde das wachsende Interesse an europapolitischen Fragestellungen – etwa dem Stellenwert aktueller und künftiger Handelsabkommen, den Strukturen und Entscheidungsprozessen der EU-Kommission, Fragen zu Vergabeverfahren sowie der Rolle der Europäischen Union als politischer und wirtschaftlicher Akteur.
Mehr als ein Auftakt: Warum der Dialog jetzt entscheidend ist
Die Auftaktveranstaltung der Reihe „Im Dialog mit der Politik“ zeigte, dass geopolitische Entwicklungen heute weit über außen- und sicherheitspolitische Fragen hinausgehen. Sie prägen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und werden zunehmend zur strategischen Daueraufgabe für Unternehmen – auch im Bergischen Land.
Unternehmen sind dabei auf Orientierung, Planungssicherheit und verlässliche politische Rahmenbedingungen angewiesen. Ebenso wichtig sind transparente europäische Entscheidungsprozesse, stabile Handelsbeziehungen und praxistaugliche Regulierungen.
Der direkte Austausch zwischen Wirtschaft und Politik hilft, Entwicklungen einzuordnen, Erwartungen zu klären und Auswirkungen frühzeitig zu erkennen. Mit der neuen Dialogreihe schafft die VBU dafür eine passende Plattform.
Das Solinger Tageblatt berichtet ausführlich über unsere Veranstaltung im Beitrag
„Gehen Sie nach Berlin, werden Sie lauter“.





