INTERVIEW MIT VERA BÖKENBRINK Vera Bökenbrink, Geschäftsfüh- rerin des Wuppertaler Unter- nehmens STAHLWILLE und Vorstandsvorsitzende der VBU © STAHLWILLE Eduard Wille GmbH Was kann die VBU konkret leisten, um neue Entwick Wo sehen Sie die Verantwortung von Wirtschaft, Politik lungen einzuordnen und Unternehmen handlungsfähig und Gesellschaft, und wo braucht es eine bessere zu halten? Vera Bökenbrink: „Unternehmen sehen sich heute mit hoher Komplexität konfrontiert – ausgelöst durch rechtliche Vorgaben, technologische Entwicklungen und organisatori sche Veränderungen. Die VBU übernimmt hier eine wichtige einordnende, vermittelnde und stabilisierende Rolle, insbe sondere für Unternehmen ohne große eigene Strukturen. Die VBU leistet dies, indem sie Entwicklungen frühzeitig aus betrieblicher Perspektive bewertet und verständlich aufberei tet. Informationen werden gebündelt, ihre Relevanz einge ordnet und durch Austauschformate direkt nutzbar gemacht. So entsteht Orientierung – auch in unsicheren Zeiten.“ Inwiefern entscheidet Qualifizierung darüber, ob Innova tion im Unternehmen gelingt oder scheitert? Vera Bökenbrink: „Innovation scheitert häufig daran, dass zentrale Kompetenzen fehlen – etwa im Projektmanage ment, in der digitalen Anwendung oder in der Führung von Veränderungsprozessen. Qualifizierung schafft hier die Grundlage für Veränderungsbereitschaft und Umsetzungs kompetenz. Unternehmen, die Weiterbildung strategisch verankern und gezielt in relevante Fähigkeiten investieren, erhöhen ihre Chance, neue Ideen tatsächlich in die Praxis zu bringen – gerade im mittelständisch geprägten Umfeld unserer Region.“ Zusammenarbeit? Vera Bökenbrink: „Bildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Unternehmen tragen Verantwortung, Qualifizierung aktiv zu gestalten. Politik muss dafür verlässliche Rahmen bedingungen schaffen, und Bildung muss gesellschaftlich stärker als Investition verstanden werden. Als Verband sehen wir uns dabei ausdrücklich als Brückenbauer zwischen Wirtschaft, Politik, Kommunen, Städten und Bildungsinsti tutionen. Wir bringen diese Akteure zusammen, bündeln Interessen und schaffen regionale Kooperationen. Damit werden Bildung und Weiterbildung zu einer Investition in Fachkräfte, Innovationsfähigkeit und Zukunftssicherung. Eine langfristige Perspektive ist dabei entscheidend, um Qualifi zierung nachhaltig zu verankern.“ Was sollten Unternehmen heute tun, um sich und ihre Beschäftigten für die kommenden Jahre gut aufzustellen? Vera Bökenbrink: „Unternehmen sollten Bildung strategisch angehen und frühzeitig handeln, bevor Engpässe entstehen. Dazu gehört, Kompetenzbedarfe frühzeitig zu erkennen und gezielt in die Entwicklung der eigenen Mitarbeitenden zu investieren. Gleichzeitig ist externe Unterstützung wichtig. Die VBU übernimmt hier eine Sparrings und Orientierungs funktion, indem sie Veränderungen einordnet, gute Lösungen sichtbar macht und Unternehmen auf ihrem Weg durch den Wandel begleitet.“ Der Vorstandswechsel in der VBU markierte einen bewusst gestalteten Übergang. 7