Konjunkturumfrage 2026: Stimmung in der nordrhein-westfälischen Metall- und Elektroindustrie bleibt angespannt

Die aktuelle Konjunkturumfrage von METALL NRW zeigt eine Branche im anhaltenden Krisenmodus, geprägt von schwacher Nachfrage, pessimistischen Erwartungen und einer zunehmenden Investitionszurückhaltung am Standort Deutschland.


Kernergebnisse der Konjunkturumfrage für die Verbandsregion des Bergischen
Arbeitgeberverbandes der Metallindustrie:

Die Auswertung der Umfrage der Metallindustrie für die Regionen Wuppertal, Solingen und
Niederberg zeigt ein einheitlich angespanntes Stimmungsbild: Die Mehrheit der befragten
Unternehmen bewertet sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen für die
kommenden Monate kritisch, insbesondere mit Blick auf Aufträge und Erträge. Entsprechend
zurückhaltend äußern sich die Betriebe zu Investitionen und Beschäftigungsentwicklung, was auf
anhaltende strukturelle Belastungen für den regionalen Industriestandort hindeutet.
Kurz vor Weihnachten haben die Unternehmer im Bergischen Land deutlich mit einem Termin in der Wupper auf die historisch schwierige Lage aufmerksam gemacht. Schwunk:“ Die Bergischen
Unternehmer brauchen jetzt eine Industriestrategie, ein Umdenken in der Politik, damit die
Arbeitsplätze in der Region möglichst erhalten bleiben.“
Die Ergebnisse der regionalen Befragung des Bergischen Arbeitgeberverbandes entsprechenden im Wesentlichen der landesweiten Konjunkturumfrage.


Zusammenfassung der Ergebnisse der METALL-NRW-Umfrage:
Zum Jahreswechsel 2025/26 bleibt die Stimmung in der nordrhein-westfälischen Metall- und
Elektroindustrie weiterhin deutlich eingetrübt. Die Konjunkturumfrage für das Jahr 2026 zeigt, dass nur 14 Prozent der Unternehmen die aktuelle Geschäftslage als gut bewerten. Ein so niedriger Anteil an Unternehmen, die eine positive Geschäftslage verzeichnen, wurde zuletzt in den frühen 2000er Jahren beobachtet, als Deutschland als der „kranke Mann Europas“ galt. Nur 10 Prozent erwarten eine Verbesserung ihrer Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten.
Die pessimistische Stimmung spiegelt nach wie vor die hohen Energiekosten wider, die die
internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie massiv beeinträchtigen sowie die
unsichere Energieversorgung, die Investitionsentscheidungen für den Wirtschaftsstandort Deutschland erschwert. Weitere Belastungen sind die steigenden Steuern und Abgaben, überbordende Bürokratie, langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie die hohen Finanzierungskosten infolge der strafferen Geldpolitik der Europäischen Zentralbank.
Die Auftragslage bleibt wie im Vorjahr auf einem sehr niedrigen Niveau. Nur 8 Prozent der
Unternehmen bewerten die Inlandsnachfrage als gut (2024/25: 8 Prozent) und nur 13 Prozent der
Unternehmen bewerten die Auslandsnachfrage als gut (2024/25: 15 Prozent). Lediglich 11 Prozent der Unternehmen erwarten eine Verbesserung bei den Inlandsaufträgen in den nächsten sechs Monaten (2024/25: 6 Prozent), 14 Prozent eine Verbesserung bei den Auslandsaufträgen (2024/25:
13 Prozent). Bei der Ertragslage für die nächsten sechs Monaten gehen wie im Vorjahr nur 13 Prozent der Unternehmen von einer Verbesserung aus.
Die anhaltende strukturelle Krise zeigt sich besonders deutlich bei den Investitionen: 36 Prozent der Unternehmen in der nordrhein-westfälischen M+E-Industrie planen, ihre Investitionen in Deutschland zu reduzieren. Dies stellt den dritthöchsten Anteil an Unternehmen dar, die eine Reduzierung ihrer Investitionen planen, seitdem die Frage nach den Investitionen im Jahr 2005 erstmals in die Konjunkturumfrage aufgenommen wurde. Der Anteil der Unternehmen, die weniger Ausbildungsplätze anbieten, stieg auf 19 Prozent (2024/25: 18 Prozent).

Die Ergebnisse der METALL-NRW-Umfrage im Einzelnen:
Geschäftslage: Mit der aktuellen Geschäftslage ist die nordrhein-westfälische M+E-Industrie sehr
unzufrieden, die aktuelle Beurteilung fällt noch schlechter aus als vor Jahresfrist: Gerade mal 14
Prozent der befragten Unternehmen bezeichnen ihre gegenwärtige Geschäftslage als „gut“ (2024/25: 15 Prozent). Derweil ist fast die Hälfte der Betriebe (46 Prozent) mit der aktuellen Lage „unzufrieden“ (2024/25: 48 Prozent).

Geschäftserwartungen: Auch die Geschäftsperspektiven für die nächsten sechs Monate sehen die
Betriebe per saldo deutlich pessimistisch. 26 Prozent erwarten rückläufige Geschäfte (2024/25: 40
Prozent), nur 10 Prozent erwarten eine Besserung (2024/25: 5 Prozent).

Auftragslage: Die aktuelle Auftragslage lässt ebenfalls zu wünschen übrig und bewegt sich
weitgehend auf dem niedrigen Vorjahresniveau.

  • Die Ordertätigkeit aus dem Inland bezeichnen 8 Prozent als „gut“ (2024/25: 8 Prozent),
    demgegenüber 55 Prozent als „schlecht“ (2024/25: 57 Prozent).
  • Die Nachfrage aus dem Ausland bewerten 13 Prozent der Betriebe als „gut“ (2024/25: 15Prozent), dagegen 41 Prozent als „schlecht“ (2024/25: 47 Prozent).


Auftragserwartungen: Wenig verheißungsvoll ist auch der Blick nach vorn: Die Erwartungen bei den Bestellungen sind im Vorjahresvergleich per saldo noch immer deutlich pessimistisch.

  • Bei den Inlandsaufträgen rechnen nur 11 Prozent mit einer Verbesserung (2024/25: 6
    Prozent). An eine Verschlechterung glauben derzeit 27 Prozent (2024/25: 40 Prozent).
  • Bei den Auslandsorders erwarten immerhin 14 Prozent in den kommenden sechs Monaten eine Verbesserung (2024/25: 13 Prozent). Mit einer Verschlechterung rechnen 22 Prozent (2024/25: 31 Prozent).


Ertragslage: Auch die Ertragslage ist gleichbleibend schlecht. Die Zahl der Betriebe, die ihre Erträge als „gut“ bezeichnen, verharrt ebenso auf dem niedrigem Niveau von 2024/25 (13 Prozent) wie die Zahl der Unternehmen, die ihre Ertragslage als „schlecht“ bewerten, auf dem hohen Niveau des Vorjahres (48 Prozent).


Ertragserwartungen: Der Blick auf die Erträge der nächsten sechs Monate in der nordrhein-
westfälischen M+E-Industrie macht wenig Hoffnung: Mehr als doppelt so viele Betriebe rechnen mit einer rückläufigen Ertragsentwicklung (28 Prozent (2024/25: 41 Prozent) als mit einer Verbesserung (13 Prozent (2024/25: 7 Prozent).

Investitionen: Die geringe Nachfrage, die schwache Ertragslage sowie hohe Energiepreise,
Arbeitskosten und Bürokratielasten machen sich unter dem Strich erneut bei den Investitionsplänen der Unternehmen bemerkbar.

  • Im Inland wollen 36 Prozent der Firmen ihre Investitionen weiter zurückfahren (2024/25: 44
    Prozent), nur 22 Prozent der Betriebe wollen sie dagegen ausbauen.
  • Im Ausland beabsichtigen 25 Prozent (2024/25: 31 Prozent) ihre Investitionen weiter zu drosseln, wie schon im Vorjahr planen lediglich 18 Prozent mit zunehmenden Investitionen.

Beschäftigung: Die anhaltende Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung
hinterlässt in den Unternehmen im wichtigsten Industriezweig Nordrhein-Westfalens auch bei der
Beschäftigung tiefe Spuren.

  • Neueinstellungen: Während in den vergangenen sechs Monaten 19 Prozent der Betriebe
    Neueinstellungen meldeten, planen dies für das nächste Halbjahr nur noch 15 Prozent. Vor
    einem Jahr lagen die Vergleichswerte noch bei 16 Prozent (2. Halbjahr 2024) und 9 Prozent
    (1. Halbjahr 2025).
  • Beschäftigungsabbau: In den vergangenen sechs Monaten haben 30 Prozent der Unternehmen Beschäftigung abgebaut, für die nächsten sechs Monate planen 25 Prozent mit einer rückläufigen Beschäftigung. Vor Jahresfrist lagen die Vergleichswerte bei 27 Prozent (2. Halbjahr 2024) und 31 Prozent (1. Halbjahr 2025).
  • Kurzarbeit: Auch der Anteil der Unternehmen mit Kurzarbeit bleibt hoch und liegt sowohl im Rückblick auf die vergangenen sechs Monate als auch beim Ausblick auf die kommenden sechs Monate bei 28 Prozent. Vor einem Jahr meldeten 27 Prozent der Betriebe (2. Halbjahr 2024) sowie 39 Prozent (1. Halbjahr 2025) Kurzarbeit.


Ausbildung: Als stabil erweist sich erfreulicherweise die Ausbildungssituation in der nordrhein-
westfälischen Metall- und Elektroindustrie. Nach wie vor wollen fast drei Viertel der Betriebe (72
Prozent) ihr hohes Engagement unverändert beibehalten (2024/25: 71 Prozent). Allerdings:
Gegenwärtig planen nur 9 Prozent der Betriebe eine Ausweitung ihres Ausbildungsplatzangebots
(2024/25: 11 Prozent). 19 Prozent wollen weniger Ausbildungsplätze anbieten (2024/25: 18 Prozent).
Umso wichtiger sind regionale Initiativen wie der Bergische Bildungscampus, die Unternehmen bei der Fachkräfte- und Nachwuchssicherung strukturell unterstützen können.