Tarifrunde #Chemie26: Chemie-Tarifabschluss steht

Sozialpartner stärken Wettbewerbsfähigkeit

Gewerkschaft und Arbeitgeber haben sich auf einen Tarifabschluss für die 585.000
Beschäftigten in den 1.700 Betrieben der Chemie- und Pharmabranche verständigt: Von
März bis Dezember 2026 werden die Tarifentgelte unverändert fortgeschrieben. Ab Januar
2027 haben IGBCE und BAVC eine Entgeltsteigerung um 2,1 Prozent vereinbart, ab
Januar 2028 um 2,4 Prozent. Der Tarifabschluss hat eine Laufzeit von 27 Monaten bis
Ende Mai 2028 und umfasst weitere Maßnahmen der Sozialpartner zur Stabilisierung der
krisengeschüttelten Chemie-Industrie. So wird der Demografie-Tarifvertrag
weiterentwickelt zu einem Transformations-Tarifvertrag.

BAVC-Präsidentin Scharpwinkel: „Planungssicherheit und Orientierung in der
Krise“

„Der Tarifabschluss zeigt, dass wir in einer schwierigen Situation gemeinsam
Verantwortung übernehmen“, kommentiert BAVC-Präsidentin Katja Scharpwinkel. „Die
Einigung spiegelt die Krise der Branche wider. Zugleich gibt sie Planungssicherheit und
Orientierung. Mit dem Weg zur Einigung wie auch mit dem Ergebnis zeigen wir, dass
Sozialpartnerschaft einen Unterschied macht. Beiden Seiten ist bewusst, wie groß die
Herausforderungen sind. Und beide Seiten wollen anpacken, damit wir
Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen. Das ist ein wichtiger Beitrag der Sozialpartner, mit
dem wir Perspektiven für Standort und Beschäftigung verbessern.“

Arbeitgeber-Verhandlungsführer Bürk: „Dringende Entlastung für die
Unternehmen“

„Dieser Tarifabschluss bringt den Unternehmen die dringend benötigte Entlastung“,
unterstreicht BAVC-Verhandlungsführer Matthias Bürk. „Dauerhaft mehr zahlen die
Arbeitgeber erst ab 2027 – und das zu krisengerechten Konditionen. Die lange Laufzeit
gibt den Unternehmen ein hohes Maß an Planungssicherheit. Zugleich betreten wir
tarifpolitisches Neuland mit unserem Transformations-Tarifvertrag. Auf betrieblicher Ebene
bündeln wir Ressourcen für den Umbruch – zielgenau, praxisnah und
sozialpartnerschaftlich. Wir helfen da, wo es nötig ist, und investieren gemeinsam in die
Zukunft unserer Branche.“

Entgelt: 2,1 Prozent ab 1.1.2027, 2,4 Prozent ab 1.1.2028 / Laufzeit 27 Monate

Von März bis Dezember 2026 werden die Tarifentgelte unverändert fortgeschrieben. Ab 1.
Januar 2027 erhalten die Beschäftigten eine Entgelterhöhung von 2,1 Prozent. In einer
zweiten Stufe werden die Entgelte ab 1. Januar 2028 um 2,4 Prozent erhöht. Die
Ausbildungsvergütungen steigen entsprechend. Die Gesamtlaufzeit beträgt 27 Monate bis
Ende Mai 2028.

Unternehmen, die nicht wesentlich von der Krise betroffen sind, können eine oder beide
Stufen der Tariferhöhung um 3 Monate vorziehen. In diesem Fall beraten zunächst die
Betriebsparteien über die Nutzung dieser Option. Die abschließende Entscheidung trifft
der Arbeitgeber.

Tarifvertrag neu ausgerichtet auf Herausforderungen der Transformation

Zur Unterstützung von Unternehmen und Beschäftigten im Strukturwandel entwickeln
IGBCE und BAVC den bestehenden Demografie-Tarifvertrag weiter. Zentrale Neuerung:
Die Mittel des betrieblichen Demografiefonds können ab sofort auch für Maßnahmen zur
Beschäftigungssicherung eingesetzt werden. In Frage kommen etwa Investitionen in
Weiterbildung, in Ausbildungskapazitäten oder in persönliches Coaching. Die Verwendung
der Mittel erfolgt zielgenau ausgerichtet am Bedarf im Betrieb.

Für die Jahre 2026 und 2027 zahlen die Arbeitgeber einen zusätzlichen Betrag in Höhe
von 300 Euro pro Kopf und Jahr in den betrieblichen Fonds ein (für Auszubildende 150
Euro pro Kopf und Jahr). Der Arbeitgeber kann entscheiden, den Betrag auszuzahlen oder
für andere Zwecke des Tarifvertrags zur Verfügung zu stellen. Zudem können die Beträge
für 2026 und 2027 in einem Jahr gebündelt werden.

Der kollektive Demografie- und Transformationsfonds begründet keine individuellen
Ansprüche einzelner Beschäftigter. Für Vollzeitbeschäftigte zahlen Arbeitgeber bislang
750 Euro jährlich in den Fonds ein, für Teilzeitbeschäftigte anteilig. Arbeitgeber und
Betriebsrat entscheiden über die Verwendung anhand tariflich vorgegebener Optionen.
Bislang werden die Mittel vor allem für die betriebliche Altersversorgung und
Langzeitkonten eingesetzt.

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Chemie-Sozialpartner investieren gemeinsam in Future Skills und Fachkräfte

Zusätzlich werden IGBCE und BAVC weitere Instrumente finanzieren und ausbauen, die
Unternehmen und Beschäftigten im Strukturwandel helfen:

Das in der Branche etablierte Analyse-Tool PYTHIA Chemie wird weiterentwickelt: Es
bietet künftig sowohl eine Demografie- als auch eine Qualifikationsanalyse im
Unternehmen. Mit dem Tool können Unternehmen die vorhandenen Qualifikationen ihrer
Beschäftigten abbilden und den zukünftigen Qualifikationsbedarf ermitteln, insbesondere
im Hinblick auf demografiebedingte Fluktuation. Eine regelmäßige Demografie-Analyse ist
in der Chemie bereits seit 2008 Bestandteil des Flächentarifs. Link zu PYTHIA Chemie

Der Future Skills Report Chemie wird aktualisiert und ausgeweitet. Er ermittelt KI-basiert
auf Grundlage von Stellenausschreibungen, welche Kompetenzen in der chemisch
pharmazeutischen Industrie künftig benötigt werden, und bietet Unternehmen und
Beschäftigten so eine verlässliche Orientierung zu in der Branche gefragten Berufen und
Kompetenzen. Link zum Future Skills Report Chemie

Die finanzielle Förderung des bundesweit angebotenen Fachkräfteradars Chemie durch
die Sozialpartner wird verlängert und das Angebot ausgebaut. Die Online-Plattform
ermöglicht es Fachkräften und Ausbildungsabsolventen, die nicht weiterbeschäftigt
werden können, schnell und einfach von anderen Betrieben kontaktiert zu werden, die
Personalbedarf haben. Link zum Fachkräfteradar Chemie

Ist ein Arbeitsplatz vom Strukturwandel betroffen, empfehlen die Chemie-Sozialpartner
eine Weiterbildungsberatung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, etwa über das
Beratungsangebot der Bundesagentur für Arbeit (BA). Die Sozialpartner unterstützen und
informieren bei Bedarf.