„Die Krise ist so schlimm wie 2008, aber viel hartnäckiger.“
Mit diesen Worten hat Industriegewerkschaft IGBCE‑Chef Michael Vassiliadis vor kurzem die Lage der Chemieindustrie in einem Interview mit dem Südwestrundfunk beschrieben. Und sie erfasst in Deutschland alle Sparten, nicht nur die in den Medien oft angeführte energieintensive Grundstoffchemie, deren Produktion gegenüber 2018 um 24 Prozent eingebrochen ist. Seit 2018 sinkt die Netto‑Produktion in fast allen Bereichen der Branche spürbar: In der Sparte Pflanzenschutz liegt sie mit 40 Prozent im Minus, im Bereich Chemiefasern sogar mit 53 Prozent. Den „geringsten“ Rückgang der Produktion verzeichnet die Mineralölverarbeitung (–11 Prozent). Die Pharmaproduktion bleibt bei gleichen Produktionswerten wie 2018 – Stillstand statt Zuwächse.
Die Hauptursachen sind klar: hohe Energie- und Rohstoffkosten, die den Standort belasten, und eine schwache industrielle Nachfrage, die sich durch nahezu alle Wertschöpfungsstufen zieht. Hinzu kommt die Belastung durch Bürokratie sowie hohe Arbeits- und Sozialkosten. In Summe haben weite Teile der Branche so ihre Wettbewerbsfähigkeit verloren. Deshalb braucht die Branche jetzt Entlastungen in allen Bereichen. Für die Tarifrunde #Chemie26 bedeutet das jetzt: Vernunft und Verlässlichkeit in Form einer tarifpolitischen Atempause.

